Pressemitteilung

Frankfurt am Main | Leipzig, 17.03.2016

Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2016: Ausgezeichneter Selbstausbeuter

Das Fachmagazin Börsenblatt ehrt auf der Leipziger Buchmesse den Lyriker und freien Journalisten Nico Bleutge, der in seiner Dankesrede mehr Raum für Lyrikkritik in den Medien fordert

Foto_Verleihung_Alfred-Kerr-Preis_fuer_Literaturkritik_2016_Copyright_Tobias_Bohm

“Selbstausbeutung? Aber ja!” Dennoch setzt sich der Lyriker und freie Journalist Nico Bleutge mit Leidenschaft für die Lyrikkritik ein. Für sein Schaffen wurde ihm heute im Rahmen der Leipziger Buchmesse der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik verliehen – gestiftet wird die Auszeichnung vom Fachmagazin Börsenblatt und ist mit 5.000,- Euro dotiert. Die Jury begründet ihre Entscheidung so: “Nico Bleutge urteilt eigenständig, argumentiert offen und für den Leser öffnend, und er schreibt stilistisch glänzend.” In seiner Dankesrede fordert der Preisträger mehr Raum für Literaturkritik in den Medien: “Das Gedicht braucht den genauen Blick. Das aufmerksame, geduldige, mal emphatische, mal ins Denken gedrehte Lesen und Wiederlesen. Das Abtragen der Schichten, Auffächern der Bedeutungsstränge, der Rhythmen und Klänge, der Brüche und Widersprüche, die es, das Gedicht, in sich trägt. Und es braucht diesen Blick in jenen Medien, die den Gedichtartikel neben die politische Glosse, den Wirtschaftskommentar und den Sportbericht stellen.”

Wenn die Zeitungen der Kritik diese Möglichkeiten nicht böten, werde sie sich ihre eigenen Inseln suchen und zum Beispiel ins Netz abwandern, warnt Bleutge. “Es gibt dort längst sehr schöne Foren, in denen Lyrik besprochen wird. Allerdings trifft nach wie vor zu, worauf der Kritiker Gregor Dotzauer vor einigen Jahren hingewiesen hat. Es sind Gemeinschaften, „die von einem hochspezifischen Interesse bestimmt werden”, in diesem Fall: Schreibende und Lesende, die sich ohnehin für Gedichte interessieren” erklärt der Preisträger. Sein Wunsch: Die Kritik in der Zeitung und die Kritik im Netz sollten sich gegenseitig ergänzen, um ein größtmögliches Publikum für Poesie zu begeistern.

In seinem Grußwort lobte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Bleutges Einsatz für die Literaturkritik: „Man möchte Lyrik gerne von verständigen Menschen vermittelt bekommen. Nico Bleutge ist für mich so ein Brückenbauer hinüber zu den reizvollen, oft auch geheimnisvollen Landschaften der Poesie. Auf eine Art, die mich verblüfft, entsteht aus der Präzision seines kritischen Blicks am Ende eine Begeisterung für die Kunst.“ Lothar Müller, Feuilleton-Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Alfred-Kerr-Preisträger im Jahr 2000, schloss sich dieser Einschätzung in seiner Laudatio an: “Nico Bleutge nimmt seine Gegenstände, ob Prosa oder Lyrik, als Sprachgebilde ernst, er zeichnet ihre Sprachbewegung nach, lässt sie in seinem eigenen Text zu Wort kommen, macht sie für den Leser durchsichtig.”

Über den Preisträger

Der gebürtige Münchner Nico Bleutge, Jahrgang 1972, studierte in Tübingen Neuere Deutsche Literatur, Allgemeine Rhetorik und Philosophie. Seine Gedichte wurden in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Im Jahr 2006 debütierte er mit dem Gedichtband “klare konturen”. Seit 2001 arbeitet der Lyriker und Essayist als freier Literaturkritiker, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung, den Tagesspiegel und die Stuttgarter Zeitung. Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland sowie der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und lebt in Berlin.

Über den Laudator

Der Journalist Lothar Müller arbeitet als Feuilleton-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Nach einer Dozentur für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin arbeitete er als Redakteur im Literaturblatt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Im Jahr 2000 wurde er selbst mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet, 2008 folgte der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay sowie 2013 der Berliner Preis für Literaturkritik.

Über den Preis

Im Jahr 1977 hat das Branchenmagazin Börsenblatt den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik gestiftet, der heute mit 5.000,- Euro dotiert ist. Bis 1995 wurde jedes Jahr ein besonders bemerkenswerter Literaturteil einer deutschsprachigen Zeitung oder Zeitschrift, eines deutschsprachigen Hörfunk- oder Fernsehprogramms ausgezeichnet. Seit 1996 würdigt die Jury jeweils die Arbeit einer Einzelperson. Der Preis wird nicht für eine Einzelkritik vergeben, maßgeblich ist vielmehr die Kontinuität des literaturkritischen Schaffens. Die Auszeichnung erinnert an den Schriftsteller, Theaterkritiker und Publizisten Alfred Kerr (1867 – 1948), der in der Kritik eine eigene Kunstform sah. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Insa Wilke, Daniela Strigl, Helmut Böttiger, Ina Hartwig, Gregor Dotzauer, Hubert Winkels und Manfred Papst.

Über die Jury

Aus den Vorschlägen der Mitglieder im Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. wählt die Jury jährlich den Preisträger. Dem Gremium gehören an: die Programmreferentin des Münchener Literaturhauses Katrin Lange, der Schriftsteller Peter Härtling, der Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl Michael Lemling, der Ehrenpräsident der Akademie für Sprache und Dichtung Klaus Reichert, der Verleger Klaus Schöffling und der Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir.


Materialien zum Herunterladen

Foto Verleihung Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2016 – Copyright: Tobias Bohm

Bildbeschreibung: Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir, Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller, Preisträger Nico Bleutge und Laudator Lothar Müller

Foto Nico Bleutge – Copyright: Tobias Bohm

Für Berichte im Zusammenhang mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik honorarfrei zu nutzen bis 28.02.2017 unter Angabe des Copyrights. Danach Nutzung nur nach Klärung der Nutzungsrechte mit dem Fotografen: +49 177 88 75310 | post@tobiasbohm.com)

Porträt Nico Bleutge

Dankesrede Nico Bleutge

Laudatio Lothar Müller

Grußwort Heinrich Riethmüller

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